Vernetzer, Katalysator und Feedback-Geber

Was die TK von anderen lernen kann - Prof. Dr. Jörg Debatin gibt Einblick in den health innovation hub (hih).

Lesezeit 2 Minuten Lesezeit

Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) hat im April 2019 den health innovation hub (hih) gegründet. Das Ziel des zwölfköpfigen Teams ist es, innovative Ideen schneller ins Gesundheitssystem zu bringen. Ein Blick über den Tellerrand mit dem Leiter des hih, Prof. Dr. Jörg Debatin.


Prof. Dr. Jörg Debatin

Prof. Dr. Jörg Debatin wurde 1998 auf den Lehrstuhl für Diagnostische Radiologie am Universitätsklinikum Essen berufen. Ende 2003 wechselte er als Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender an das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). 2011 übernahm er den Vorstandsvorsitz der Amedes Holding AG, mit deren Verkauf er 2014 als Vice President zu GE Healthcare wechselte. Seit März 2019 leitet er als Chairman den health innovation hub (hih) des Bundesministeriums für Gesundheit in Berlin.

Der hih soll eine Ideenfabrik für das deutsche Gesundheits­system sein und Tempo in die digitale Transformation bringen. Wo setzen Sie an?

Prof. Dr. Jörg Debatin Wir schauen uns an, welche innovativen Ideen es gibt – sowohl in Deutschland als auch im Ausland – und ob diese Ideen im Gesundheitssystem umsetzbar sind. Ein Thema, das uns derzeit besonders beschäftigt, ist die elektronische Patientenakte. Damit sie zum 1. Januar 2021 starten kann, gilt es, die kritischen Inhalte zu definieren und die nötige Vernetzung sowie den Austausch unter allen beteiligten Akteuren zu schaffen. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt unserer Arbeit besteht darin, Wege zu finden, wie wir Daten für Wissenschaft und Versorgung verfügbar machen können.

„Kommunikation hilft an vielen Stellen, systemische Probleme zu lösen.“

Prof. Dr. Jörg Debatin

Um erfolgreich zu sein, müssen Sie die Brücke schlagen zwischen den klassischen Stakeholdern im Gesundheitswesen und den neuen Playern – der Start-up-Szene. Wie funktioniert dieser Brückenschlag?

Debatin Wir sehen uns als Katalysator. Es geht nicht nur darum, den Austausch zwischen Start-ups und klassischen Playern wie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung oder etwa Krankenkassen zu fördern, sondern auch darum, das gegenseitige Verständnis und Verstehen zu erhöhen. Kommunikation hilft an vielen Stellen, systemische Probleme zu lösen. Wir vernetzen Start-ups mit der Versorgungsrealität, die in Praxen und Krankenhäusern herrscht. Gleichzeitig geben wir kontinuierliches Feedback an das BMG darüber, wo es im System konkret noch hakt.

12

Expertinnen und Experten bilden das Team des hih, unter anderem aus den Bereichen Medizin, Pharmazie, Recht, IT und KI.

Der hih nimmt eine besondere Position im gesundheits­politischen Institutionengefüge ein. Der Hub ist für drei Jahre gegründet, hat keine direkte Entscheidungskompetenz. Was ermöglicht Ihnen diese besondere Stellung im Vergleich zu anderen Institutionen?

Debatin In der Tat sind wir recht frei in unserem Denken und Handeln. Ich empfinde das als riesiges Privileg. Gleichzeitig verstehen wir diese Freiheit als großen Vertrauensvorschuss des BMG. Aufgrund unserer Verankerung in der Welt der Leistungserbringer haben wir bei diesen eine hohe Akzeptanz – allerdings auch einhergehend mit Erwartungen. Gleichzeitig haben wir das Vertrauen des Ministeriums, das uns drei Jahre finanziert. Diese Doppelrolle funktioniert erstaunlich gut und auch besser als erwartet. Ich bin wirklich positiv überrascht, wie offen man uns gegenüber ist.