Pflege: Langfristig geht es nicht rein analog

Wie die Digitalisierung helfen kann, die Autonomie Pflegebedürftiger zu stärken und ihren Alltag zu erleichtern.

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Wer derzeit über die Zukunft der Pflege spricht, tut das in der Regel mit Blick auf die Covid-19-Pandemie. Deren direkte und indirekte Folgen abzumildern steht für die Politik – verständlicherweise – ganz oben auf der Prioritätenliste. Krisen zeigen oft auf, wo es noch Handlungsbedarf gibt: So führt die Pandemie zu erheblichen Belastungen bei Pflegebedürftigen, die zu Hause versorgt werden, und deren Angehörigen.

Neben der Sorge um die eigene Gesundheit stellen sich plötzlich konkrete Versorgungsfragen: Was ist, wenn mein Pflegedienst ausfällt? Wie komme ich zum Hausarzt? Fragen, die nicht zu unterschätzen sind, schließlich werden drei von vier Pflegebedürftigen heute zu Hause versorgt. Auch wenn zunächst konkrete Herausforderungen zu lösen sind, auf lange Sicht müssen wir uns fragen: Wie lässt sich die Autonomie Pflegebedürftiger stärken und ihr Alltag erleichtern?

Die Digitalisierung ist dabei zumindest ein Teil der Antwort. Allerdings liegt hier noch ein weiter Weg vor uns: Zwar ist das Thema inzwischen in der „Konzertierten Aktion Pflege“ verankert. Dort werden zahlreiche digitale Handlungsfelder definiert. Zudem sieht das Digitale-Versorgung-Gesetz die Anbindung von Pflegeeinrichtungen an die Telematikinfrastruktur vor.

Drei von vier Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Rund 14.500 Pflegeheime gibt es in Deutschland. (Quelle: Statistisches Bundesamt)

Allerdings wird gleichzeitig Pflege nach wie vor überwiegend auf Papier dokumentiert, und intelligente Hausnotrufsysteme haben immer noch Exotenstatus. Der Kontakt zwischen Pflegediensten, Pflegebedürftigen, Angehörigen und Kliniken verläuft vielerorts telefonisch oder auf dem Postweg. Wer sich als Angehöriger engagiert, der muss sich Informationen von vielen unterschiedlichen Stellen aktiv zusammentragen. Das muss sich perspektivisch ändern. Als Pflegekasse ist es unsere Aufgabe, bei unseren Versicherten genau hinzuhören, Situationen zu identifizieren, in denen die Digitalisierung helfen kann, und Lösungen anzubieten. Ziel ist es, eine digitale Angebotsstruktur zu entwickeln, die den Pflegealltag für alle Beteiligten spürbar erleichtert. Natürlich entwickeln wir unser Angebot auch für diejenigen weiter, die sich Unterstützung nach wie vor analog wünschen.

Ich bin davon überzeugt, dass solche Angebote einzelner Kassen enorm wichtig sind. Wirklich nachhaltig geht die Digitalisierung in der Pflege als Ganzes jedoch nur voran, wenn alle Beteiligten einen Beitrag dazu leisten. Wir müssen gemeinsam Lösungen entwickeln – oder zumindest offen dafür sein, vorhandene Lösungen zu nutzen – das gilt nicht nur in Krisenzeiten.

15,7

Prozent betrug der Anstieg der Zahl der TK-versicherten Pflegebedürftigen zwischen 2018 und 2019

Thomas Ballast

Thomas Ballast ist stellvertretender Vorstandsvorsitzender der TK. Der Diplom-Volkswirt verantwortet im Unternehmen die Bereiche Kundenservice, Versorgungsinnovation, Versorgungssteuerung sowie Service und Business Management. Er ist davon überzeugt, dass es für den Erfolg eines Unternehmens vor allem auf zwei Fähigkeiten ankommt: sich in die eigenen Kunden hineinzuversetzen und bereit zu sein, den eigenen Service immer wieder zu hinterfragen und auszubauen.