Digitalisierung muss für uns erlebbar sein

Das Gesundheitswesen steht in der aktuellen Krise vor großen Herausforderungen - jetzt zeigen sich aber auch die Chancen der Digitalisierung.

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ehr viel ist anders als noch zu Beginn dieses Jahres. In kurzer Zeit hat die durch das Coronavirus ausgelöste Pandemie unser Leben verändert. Das Gesundheitssystem steht vor nie dagewesenen Herausforderungen. Neben den akuten Versorgungsfragen zeigt uns diese Krise gleichzeitig, welche Chancen die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet. Digitale Angebote wie die Fernbehandlung oder die elektronische Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung, die schon vor dem Virus vorangetrieben wurden, haben in Zeiten von Pandemieregelungen und Kontaktbeschränkungen einen Schub bekommen.

Dabei verhält es sich mit den digitalen Angeboten ähnlich wie mit dem Händewaschen: Auch diese Maßnahme war natürlich bereits vor dem Coronavirus da und sinnvoll, um sich zu schützen. Durch die Krise finden die allgemeinen Hygieneempfehlungen, ebenso wie die digitalen Gesundheitsangebote, eine größere Beachtung. Beides sollte auch nach der Pandemie noch aktuell bleiben.

Für uns geht es daher auch in dieser besonderen Zeit darum, den digitalen Wandel im Sinne unserer Versicherten mitzugestalten. Dazu müssen wir auch jetzt den Blick über den Tellerrand wagen. Denn längst kommt der Wettbewerbsdruck für die gesetzlichen Kassen nicht mehr nur aus den eigenen Reihen, sondern verstärkt von internationalen Tech-Konzernen, vorrangig aus China und den USA, die mit innovativen Gesundheitsprodukten den deutschen Markt, auch abseits von Corona, für sich gewinnen wollen.

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Prozent der Entscheider im Gesundheitswesen glauben, dass Tech-Konzerne 2025 integraler Bestandteil des Gesundheitssystems sein werden.*

Von zwei auf zehn Zettabytes wird sich das globale Datenvolumen im Gesundheitsbereich bis 2025 verfünffachen. (1 Zettabyte = 1 Milliarde Terabytes)*

Doch es darf hier nicht um Umsatz und Gewinn gehen, sondern um die bestmögliche Gesundheitsversorgung. Die TK möchte ein starker Partner für ihre Versicherten sein. Ein Partner, der im Sinne seiner Kunden digitale Versorgungsinnovationen entwickelt.

Digitalisierung muss erlebbar sein, einen spürbaren Nutzen für Versicherte und Patienten haben. Die Pandemie zeigt das einmal mehr: Wo es die Digitalisierung beispielsweise erleichtert, persönliche Kontakte zu vermeiden, schnellen die Nutzerzahlen in die Höhe. Das größte Potenzial, den digitalen Mehrwert greifbar zu machen, haben derzeit das elektronische Rezept, webbasierte Interaktionen zwischen Arzt und Patient sowie natürlich die elektronische Patientenakte (ePA). Über so eine Plattform werden Versicherte einen Großteil ihrer Versorgung steuern können: Sie bekommen einen Überblick über ihre Arztbesuche und Befunde bis hin zu Erinnerungen an Impfungen.

So entsteht ein „digitales Ökosystem“, das ein vernetztes Angebot smarter Services und digitaler Leistungen mit einem hohen Mehrwert bereithält. Wir müssen weiter den Mut haben, Neues zu probieren, um unser Gesundheitssystem erfolgreich in die Zukunft zu führen. Ansonsten laufen wir in einem zunehmend digitalen Gesundheitswesen Gefahr, die Wettbewerbsfähigkeit der Krankenkassen auf Kosten der Versorgung der Menschen aufs Spiel zu setzen.

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Milliarden Euro – so viel Geld soll die Digitalisierung dem deutschen Gesundheitssystem pro Jahr sparen.**

Corona stellt das Gesundheitswesen in Europa vor die größte Herausforderung seit Jahrzehnten. Auf dramatische Weise hat die Pandemie die Schwächen von Gesundheits­systemen weltweit offen gelegt. Die Digitalisierung wird in Zukunft eine entscheidende Rolle bei der Frage nach der Leistungs- und Zukunftsfähigkeit der europäischen Gesundheitssysteme spielen. Daten werden sowohl bei der Bewältigung als auch bei der Prävention von Krankheiten von zentraler Bedeutung sein. Deshalb gilt es, Visionen, Strategien und Praxisbeispiele für einen vernetzten europäischen Weg bei der Datenverwendung zu finden.

Darüber diskutieren 33 Experten im neuen Buch „Digitale Gesundheit in Europa – menschlich, vernetzt, nachhaltig“ herausgegeben von Dr. Jens Baas, Vorsitzender des Vorstands der TK.

Dr. Jens Baas

Dr. Jens Baas ist Vorsitzender des Vorstands der TK und in dieser Funktion für die Unternehmensbereiche Marke und Marketing, Finanzen und Controlling, Informationstechnologie, Unternehmensentwicklung, Politik und Kommunikation sowie Verwaltungsrat und Vorstand verantwortlich. Der promovierte Arzt ist davon überzeugt, dass ein digital vernetztes Gesundheitswesen vielfältige Chancen und Verbesserungen für alle Beteiligten bietet – unter einer Bedingung: Versicherte müssen stets die Hoheit über ihre Daten behalten.

*Quelle: Future of Health. Eine Branche digitalisiert sich – radikaler als erwartet, Roland Berger GmbH, 2019
**Quelle: Digitalisierung im Gesundheitswesen: die Chancen für Deutschland, McKinsey & Company, Inc., 2018