Hier hat Mobbing keine Chance

Das TK-Projekt "Gemeinsam Klasse sein" hilft Mobbing unter Schülerinnen und Schülern zu verhindern.

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ie ist echt so peinlich!“ „Nicht mal das bekommt sie gebacken, Loser.“ „Wenn die zu Mias Party kommt, kommen wir nicht!“ Heftige Sprüche, die Anna täglich in der Schule zu hören bekommt. Gänzlich unerträglich wird ihr Alltag, als dann auch noch die WhatsApp-Gruppe „Alle gegen Anna“ gegründet wird.

Anna ist die Hauptfigur im Auftaktfilm des Anti-Mobbing-Projekts „Gemeinsam Klasse sein“. Anna ist zwar nicht „real“, doch ihre Geschichte spielt sich so oder so ähnlich täglich an deutschen Schulen ab. Laut PISA-Studie 2018 ist fast jeder vierte fünfzehnjährige Schüler (23 Prozent) in Deutschland schon einmal Opfer von Mobbing geworden.

Im Rahmen der Gewaltprävention steht daher Mobbing bereits seit 2008 auf dem Stundenplan der TK. Gemeinsam mit der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg hat die TK damals den „Anti-Mobbing-Koffer“ konzipiert. Ein Koffer voller Unterrichtsmaterialien für eine Projektwoche in den fünften bis siebten Klassen. Seine Inhalte wurden jetzt in enger Zusammenarbeit mit der Schulbehörde komplett überarbeitet, digitalisiert und in einer einjährigen Pilotphase in Hamburg, Schleswig-Holstein und Bremen erfolgreich getestet. Seit Herbst 2019 können bundesweit alle Schulen, deren Vertreter an einer entsprechenden Fortbildung teilgenommen haben, das Online-Programm auf gemeinsam-klasse-sein.de kostenlos nutzen.

„Die Kinder nehmen das Projekt genauso ernst wie die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch.“

Holger Hülsemann, Sozialpädagoge

Mobbing soll gar nicht erst entstehen

Eine der Pilotschulen ist das Gymnasium Finkenwerder aus Hamburg. Seit zwei Jahren führt der Sozialpädagoge Holger Hülsemann dort in enger Zusammenarbeit mit den Lehrerinnen und Lehrern die Anti-Mobbing-Woche in den fünften Klassen durch – früher mit dem Anti-Mobbing-Koffer, jetzt mit dem Online-Auftritt. „Viele Schülerinnen und Schüler haben bereits in der Grundschule Erfahrungen mit Mobbing gemacht. Das ist ein großes Thema“, berichtet Hülsemann. „Daher ist das Interesse bei den Schülerinnen und Schülern auch sehr groß. Die atmen das ein wie 3+3=6.“

Neben Übungen und Rollenspielen werden im Projekt auch Filme und Erklärvideos eingesetzt. Ziel ist, deutlich zu machen, welche Folgen Mobbing und Cybermobbing für die Betroffenen haben und was Schulen und Klassen tun können, damit Mobbing gar nicht erst entsteht. „Gerade für Kinder und Jugendliche kann Mobbing eine große Belastung darstellen unter der die Betroffenen häufig jahrelang leiden. Um das im Vorfeld zu verhindern, haben wir das Angebot entwickelt“, erklärt Vera Ünsal, Expertin aus dem Gesundheitsmanagement bei der TK.

Lotta Wilken ist eine der Schülerinnen, die das Programm mit ihrer Klasse am Gymnasium Finkenwerder bereits absolviert hat. Sie erinnert sich noch sehr gut an den Film mit der vom Mobbing betroffenen Anna. „Der Film hat uns alle sehr betroffen gemacht. Mit Rollenspielen sollten wir uns dann in alle beteiligten Charaktere versetzen. Das war sehr emotional und hilfreich“, so die Zwölfjährige. „Ich achte jetzt viel mehr auf jeden Mitschüler, besonders auf die, die nicht so viele Freunde haben.“

Cybermobbing

Durch Internet und Smartphones hat Mobbing in den letzten Jahren eine neue Dimension erreicht. Früher hörte Mobbing auf dem Schulhof auf. Mit Hilfe digitaler Medien ist „Cybermobbing“ jetzt nicht mehr begrenzt, sondern durchgehend möglich – 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Laut einer Studie des „Bündnis gegen Cybermobbing“ waren 2017 bereits 13 Prozent der Schülerinnen und Schüler von Cybermobbing betroffen. Dementsprechend ist das Thema Cybermobbing ein Schwerpunkt von „Gemeinsam Klasse sein“. Dafür stehen viele Filme, Übungen und Rollenspiele bereit.

gemeinsam-klasse-sein.de

Schüler als Anti-Mobbing-Experten

Das Programm funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. Daher werden Schul- und Klassenleitungen und auch die Eltern aktiv miteinbezogen. Höhepunkt der Projektwoche ist der Elternnachmittag. Dort stellen die Schülerinnen und Schüler in ihrer Expertenrolle den Eltern die Projektergebnisse vor. Klassenlehrerin Hanna Schallhorn: „Wir alle fühlen uns jetzt viel handlungsfähiger und wissen, was bei Verdacht auf Mobbing zu tun ist. Das gibt auch Sicherheit.“ Und Holger Hülsemann ergänzt: „Die Kinder lernen: Hilfe holen ist kein Petzen, sondern dient der Gerechtigkeit.“

„Gerade für Kinder und Jugendliche kann Mobbing eine große Belastung darstellen unter der die Betroffenen häufig jahrelang leiden. Um das im Vorfeld zu verhindern, haben wir das Angebot entwickelt.“

Vera Ünsal, Expertin aus dem Gesundheitsmanagement bei der TK

„Das hat uns als Klasse sehr zusammengeschweißt.
Jeder kann so sein wie er ist.“

Lotta Wilken, Schülerin